August Mackes neues Haus

Wenn von Bonns „berühmtem Sohn“ die Rede ist, ist in der Regel Beethoven gemeint. August Macke hingegen wurde in seiner Heimatstadt lange Zeit stiefmütterlich behandelt. Doch das ändert sich nun. Vor Kurzem öffnete das neue Museum August Macke Haus.

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Fast wäre es gar nicht so weit gekommen. Denn in den 80er Jahren hatte ein Unternehmer das frühere Wohn- und Atelierhaus August Mackes erworben, um dort eine Kneipe zu eröffnen. Zum Glück verhinderten engagierte Bürger das, gründeten einen Verein und eröffneten in dem alten Haus ein Museum. Heute gilt es als nationales Erbe und wurde in den vergangenen zwei Jahren durch einen Erweiterungsbau ausgebaut.

Seit Dezember zeigt sich das Museum mit einem neuen Konzept. Die Eröffnungsausstellung „August Macke und Freunde – Begegnung in Bildwelten“ zeigt bis zum 4. März rund 130 Gemälde berühmter expressionistischer Künstler.

Kern des Museums ist das spätklassizistische Haus am Rande der Bonner Innenstadt, in dem August Macke (1887-1914) die drei letzten Jahre seines Lebens verbrachte. 1914 fiel er im Alter von nur 27 Jahren als Soldat im Ersten Weltkrieg. In dem Haus entstanden viele seiner berühmtesten Bilder, die den Garten und die Umgebung zeigen. Künstler wie Franz Marc oder Robert Delaunay waren hier zu Gast.

 

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In August Mackes früherem Atelier hängt nun wieder am Originalplatz die Reproduktion des gemeinsam mit Franz Marc gemalten Wandgemäldes.

Dennoch hatte die Stadt Bonn lange Zeit wenig Interesse an dem Erbe ihres berühmten Sohnes. 1991 sprangen engagierte Bürger ein und eröffneten mit finanzieller Hilfe einer Sparkassen-Stiftung ein Museum in den früheren Wohnräumen des Künstlers. Bis zum Beginn der Arbeiten für den Erweiterungsbau hatte das kleine Museum rund 250.000 Besucher.

 

Allerdings war es in den kleinen Räumen des über 100 Jahre alten Hauses immer schwieriger geworden, wertvolle Kunstwerke in Wechselausstellungen zu zeigen. „Die Anforderungen der Leihgeber wurden immer höher“, sagt Museumsdirektorin Klara Drenker-Nagels. Um etwa alte Gemälde zeigen zu können, müssen Temperatur und Luftfeuchtigkeit konstant eingestellt werden können. In dem Altbau war das kaum möglich.

 

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Blick ins Atelier: Heute stehen auf der Staffelei keine echten, sondern digitale Gemälde.

Seit 2002 das Nachbargrundstück für das Museum erworben werden konnte, gab es daher konkrete Planungen für einen Erweiterungsbau. Mit der Umsetzung eines Entwurfs des Bonner Architekten Karl-Heinz Schommer konnte aber erst 2015 begonnen werden, nachdem der Bund und das Land Nordrhein-Westfalen insgesamt Zuschüsse von rund fünf Millionen Euro zugesagt hatten. Den Rest der Baukosten von insgesamt 7,5 Millionen Euro steuerten unter anderem die Sparkassen-Stiftung, die NRW-Stiftung, der Landschaftsverband Rheinland sowie private Spender bei.

Der Altbau des Museums ist jetzt als Künstlerhaus gestaltet. Die dortige Dauerausstellung widmet sich ganz dem Leben und der künstlerischen Entwicklung August Mackes vor dem zeitgeschichtlichen Hintergrund des wilhelminischen Kaiserreichs. Unter anderem ist dort sein wiederhergestelltes Atelier im Dachgeschoss zu sehen.

Das alte Haus ist mit dem L-förmigen Anbau verbunden, durch den sich die Gesamtfläche des Museums nun auf 1220 Quadratmeter mehr als verdreifacht. Zum Museum gehört jetzt auch ein Garten, der durch eine zwölf Meter hohe Glasfassade vom Straßenlärm abgeschottet ist. Der Neubau bietet nun die klimatischen Bedingungen, die wertvolle Kunstwerke erfordern. Hier sollen künftig Wechselausstellungen stattfinden, vor allem zum Themenkreis des rheinischen Expressionismus.

Die Eröffnungsausstellung zeigt neben Gemälden von Macke unter anderem Werke von Paul Klee, Gabriele Münter, Robert Delaunay, Wassily Kandinsky, Ernst Ludwig Kirchner und Franz und Maria Marc und Marianne von Werefkin. Die Schau beschäftigt sich mit Bildthemen, die in Mackes Werk eine Rolle spielen, aber sich auch in den Arbeiten seiner künstlerischen Weggefährten spiegeln. Gezeigt werden Gemälde zum Themenkreis Theater und Zirkus, Kinder und Kindheit, Mensch und Natur, Landschaftsmalerei, Stillleben und Abstraktion.

August Macke gilt als einer der populärsten deutschen Künstler des 20. Jahrhunderts und als wichtiger Netzwerker der avantgardistischen Kunstszene vor dem Ersten Weltkrieg. Vor seinem frühen Tod schuf er innerhalb von nur zehn Jahren ein umfangreiches Werk mit rund 600 Gemälden, 400 Aquarellen und 2000 Zeichnungen. Außerdem hinterließ er rund 10.000 Skizzenbuchseiten.

www.august-macke-haus.de

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