Moores Visionen am Rhein

Zur Feier seines zehnten Geburtstags hat das Arp Museum Rolandseck einen der bedeutendsten Bildhauer der Moderne an den Rhein geholt: Henry Moore (1898-1986) ist bekannt für seine monumentalen Skulpturen, die in der Regel Abstraktionen des menschlichen Körpers darstellen. Einige seiner tonnenschweren Skulpturen wurden eigens von England nach Rolandseck gebracht.

Henry Moore in den 70ern im Bahnhof Rolandseck

Henry Moore ist nach Rolandseck zurückgekehrt. 1977 hatte er hier bereits eine Druckgrafik-Ausstellung. Und er soll bei diesem Anlass auch den damaligen Bundeskanzler Helmut Schmidt getroffen haben. Zwei Jahre später wurde dann auf Schmidts Betreiben vor dem Bonner Bundeskanzleramt seine meterhohe Skulptur „Two Large Forms“ aufgestellt.

Moore ist in Deutschland ohnehin kein Unbekannter. Seine Großskulpturen sind unter anderem im Stadtbild von Berlin, Hamburg oder Münster präsent. Seit 1950 gab es nach Angaben der britischen Henry Moore Foundation rund 80 Ausstellungen seiner Werke in Deutschland, zuletzt bis Mitte März in Münster. Aber die Ausstellung in Rolandseck dürfte einzigartig sein mit ihrer Ansammlung an Großskulpturen des Meisters. Für die Ausstellung „„Henry Moore. Vision. Creation. Obsession“ gelang es dem Arp Museum, acht Monumentalplastiken an den Rhein zu holen. Insgesamt wird Moore bis zum 7. Januar mit rund 80 Skulpturen und Zeichnungen auf drei Ausstellungsebenen präsentiert.

Grund dafür ist das dreiteilige Konzept der Ausstellung, die nicht nur Moore-Werke zeigt, sondern seine Arbeiten einbettet in Bezüge zur italienischen Gotik und zu seinem Bildhauer-Kollegen Hans Arp.

Henry Moore: Large Reclining Figure

Ein erstes Ausrufezeichen setzt die neun Meter lange, weiße Skulptur „Reclining Figure“ (liegende Figur) (1984) auf dem Rasen vor dem Haupteingang des alten Bahnhofs Rolandseck. Der Besucher wird dann nach Begegnungen mit Skulpturen Moores und des Hauspatrons Arp zunächst in die „Kunstkammer Rau“ gelockt, wo das Arp Museum regelmäßig Werke der klassischen Malerei aus der Sammlung Rau präsentiert.

Hier stehen zunächst einmal die kunsthistorischen Bezüge im Vordergrund, auf die Moore seine Arbeit stützte. Ein immer wiederkehrendes Motiv bei Moore sind etwa Mutter und Kind. Hier werden sie seinem Interesse an Madonnen-Darstellungen aus dem 15. und 16. Jahrhundert gegenübergestellt, zum Beispiel von Antonio Rossellino oder Antonio Solario. Auch Werke französischer Maler des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts wie Cézanne und Courbet, die Moore sehr schätzte, werden seinen eigenen Skizzen zur Seite gestellt.

Henry Moore: Three Piece Sculpture Vertebrae

Der erste Stock des Museums-Neubaus gehört dann ganz Moore. Dort werden einige seiner Großplastiken erstmals in einem Innenraum präsentiert. Die Skulpturen, die normalerweise in der Landschaft präsentiert werden, stehen hier vor weißen Wänden.

 

 

Da ist zum Beispiel die Monumentalplastik „Large Standing Figure Knife Edge“, die bereits 1978 schon einmal eine Weile am Rheinufer vor dem Bahnhof Rolandseck gezeigt wurde. Die dreiteilige Plastik „Three Piece Sculpture: Vertebrae“, drei riesige bronzene Wirbelknochen, wurde mit Spezialkränen gleich vor der großen Glasfront des Ausstellungsraums platziert und fügt sich perfekt in die Landschaft ein.

Im Obergeschoss des Museums schärft die Gegenüberstellung Moores mit dem Hauspatron Arp noch einmal den Blick für das, was das Werk der beiden Künstler ausmacht. Für beide war die Natur zentrale Bezugsgröße ihres Schaffens. „Nicht abbbilden. Bilden“, war ihrer beider künstlerisches Credo. Ein Blick in die Ateliers der Künstler eröffnet erstaunliche Ähnlichkeiten. Was sich in den Regalen der beiden Bildhauer stapelt, scheint fast austauschbar: Kleine Skulpturen oder Entwürfe mit organischen Formen. Die Künstler haben sich auch nachweislich gegenseitig in ihren Ateliers besucht.

Dennoch gibt es entscheidende Unterschiede. Arp löst sich vollständig von der Figürlichkeit und geht in die reine Abstraktion. Bei Moore hingegen ist die menschliche Figur immer noch erkennbar. Seine Arbeitsweise, aus Knochen, Muscheln oder anderen Fundstücken seine Plastiken zu entwickeln, ist in einem eigenen Bereich der Ausstellung dargestellt. Wer Moore kennenlernen will, ist hier richtig. Und wer ihn schon kennt, wird mit Sicherheit neue Einsichten gewinnen.

www.arpmuseum.org

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