Spuren aus dem Mittelalter

Der Zisterzienser-Orden entwickelte sich im Mittelalter als einer der mächtigsten Verbände der Christenheit. Das LVR-Landesmuseum in Bonn zeigt die Spuren aus der Gründungszeit der europäischen Zisterzienser-Klöster.

Chorruine, ehemaliges Kloster Heisterbach

 

1098 siedelte sich eine Gruppe von Benediktiner-Mönchen im abgelegenen Citeaux an, weil sie den in den Klöstern eingezogenen Prunk ablehnten und der benediktinischen Regel nach einem einfachen Leben wieder Geltung verschaffen wollten. Rund 50 Jahre später umfasste der neue Orden bereits 340 Abteien mit etwa 11.000 Mitgliedern in ganz Europa. Aus einem einfachen Holz-Kloster in Citeaux entwickelte sich eine Organisation, die sich rasend schnell in Europa ausbreitete.

Die Schau, die bis zum 28. Januar 2018 zu sehen ist, vereint rund 150 Kunstgegenstände aus europäischen Klöstern, darunter selten oder noch nie ausgeliehene Stücke. Die Zisterzienser prägten Kunst und Kultur des Mittelalters und gehörten in dieser Epoche zu den mächtigsten Verbänden der Christenheit.

Die Gründung des Ordens war eine echte Erfolgsgeschichte. Die Zisterzienser setzten kulturelle und architektonische Maßstäbe, die ganz Europa prägten. Die Ausstellung im Landesmuseum zeigt bis zum 28. Januar 2018 rund 150 Kunstgegenstände aus europäischen Klöstern, darunter selten oder noch nie ausgeliehene Stücke.

Hochaltar aus Kloster Kamp, 1450

 

Der Rundgang durch die Welt der Zisterzienser-Mönche und -Nonnen beginnt mit einem Blick in das Kernstück jedes Klosters: Die Kirche. Gleich im ersten Ausstellungsraum sieht sich der Besucher einem der Highlights der Ausstellung gegenüber. Der Wandaltar mit klappbaren Seitenflügeln steht seit dem 19. Jahrhundert in der Kirche St. Peter in Rheinberg. Dort musste er wegen einer Dachsanierung ohnehin evakuiert werden. In Bonn ist er nach einer Restaurierung erstmals wieder zu sehen. Bemerkenswert sind die frischen Farben der Tafelgemälde mit Szenen aus dem Leben Jesu.

In der frühen Zeit des Ordens war Schlichtheit der Kirchen oberstes Gebot. Farben, Edelmetalle und Bilder waren verpönt. Doch die Ausstellung zeigt auch, das sich das nicht durchhalten ließ. Denn zu einer Kirchenausstattung gehörte nun einmal ein gewisses Schmuckwerk. Viele dieser Gegenstände sind bis heute in Gebrauch. So etwa das erstmals ausgeliehene Prunkkreuz aus der Abtei Wettingen-Mehrerau bei Bregenz. Vor dem goldenen mit Edelsteinen besetzten Kreuz wird seit 1260 täglich gebetet.

Anniversartuch für Holmger Knutsson, Schweden, 1. Hälfte 15. Jh.

Ein weiterer Grund, der dazu beitrug, dass wertvolle Kunst Einzug in die Klöster hielt, waren die Ansprüche der Stifter. Ohne sie wäre der Bau meist nicht möglich gewesen. Dafür wollten sie sich dort verewigen, etwa durch prunkvolle Gräber in den Klosterkirchen. Einer der Höhepunkte der Schau ist das Ende des 15. Jahrhunderts gefertigte Grabtuch des Stifters Holmger Knutsson, eine lebensgroße figürliche Bildstickerei der Nonnen des Skoklosters. Sie gilt als schwedischer Nationalschatz.

Die Buchkunst der Zisterzienser können die Besucher nicht nur im Original hinter Glas bestaunen. Wertvolle Schriften liegen als Faksimiles mit Übersetzungen aus dem Lateinischen vor und laden zum Durchblättern ein. In einem weiteren Ausstellungsbereich können die Besucher die Welt der Mönche und Nonnen betreten. Auf einem Klosterbett mit harter Strohmatratze können Interessierte probeliegen. Ein Tisch aus einem Klosterspeisesaal mit Holzteller und -löffel verweist auf die karge Verpflegung: Es gab nur zwei einfache Mahlzeiten pro Tag.

Eine 3-D-Animation lässt das zerstörte Kloster Altenberg wiederaufleben. Die Besucher erhalten einen Rundgang durch alle Räume des nach alten Plänen virtuell rekonstruierten Klosters. Der besondere Clou: Neben dem Bildschirm stehen echte Fundstücke aus dem Kloster, etwa Kapitelle, Säulen und Konsolen. Im Film ist zu sehen, wo sie in dem Gebäude ihren Platz hatten. Taucht ein solches Teil virtuell im Film auf, so wird das echte Exponat zugleich angeleuchtet.

www.landesmuseum-bonn.lvr.de

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Moores Visionen am Rhein

Zur Feier seines zehnten Geburtstags hat das Arp Museum Rolandseck einen der bedeutendsten Bildhauer der Moderne an den Rhein geholt: Henry Moore (1898-1986) ist bekannt für seine monumentalen Skulpturen, die in der Regel Abstraktionen des menschlichen Körpers darstellen. Einige seiner tonnenschweren Skulpturen wurden eigens von England nach Rolandseck gebracht.

Henry Moore in den 70ern im Bahnhof Rolandseck

Henry Moore ist nach Rolandseck zurückgekehrt. 1977 hatte er hier bereits eine Druckgrafik-Ausstellung. Und er soll bei diesem Anlass auch den damaligen Bundeskanzler Helmut Schmidt getroffen haben. Zwei Jahre später wurde dann auf Schmidts Betreiben vor dem Bonner Bundeskanzleramt seine meterhohe Skulptur „Two Large Forms“ aufgestellt.

Moore ist in Deutschland ohnehin kein Unbekannter. Seine Großskulpturen sind unter anderem im Stadtbild von Berlin, Hamburg oder Münster präsent. Seit 1950 gab es nach Angaben der britischen Henry Moore Foundation rund 80 Ausstellungen seiner Werke in Deutschland, zuletzt bis Mitte März in Münster. Aber die Ausstellung in Rolandseck dürfte einzigartig sein mit ihrer Ansammlung an Großskulpturen des Meisters. Für die Ausstellung „„Henry Moore. Vision. Creation. Obsession“ gelang es dem Arp Museum, acht Monumentalplastiken an den Rhein zu holen. Insgesamt wird Moore bis zum 7. Januar mit rund 80 Skulpturen und Zeichnungen auf drei Ausstellungsebenen präsentiert.

Grund dafür ist das dreiteilige Konzept der Ausstellung, die nicht nur Moore-Werke zeigt, sondern seine Arbeiten einbettet in Bezüge zur italienischen Gotik und zu seinem Bildhauer-Kollegen Hans Arp.

Henry Moore: Large Reclining Figure

Ein erstes Ausrufezeichen setzt die neun Meter lange, weiße Skulptur „Reclining Figure“ (liegende Figur) (1984) auf dem Rasen vor dem Haupteingang des alten Bahnhofs Rolandseck. Der Besucher wird dann nach Begegnungen mit Skulpturen Moores und des Hauspatrons Arp zunächst in die „Kunstkammer Rau“ gelockt, wo das Arp Museum regelmäßig Werke der klassischen Malerei aus der Sammlung Rau präsentiert.

Hier stehen zunächst einmal die kunsthistorischen Bezüge im Vordergrund, auf die Moore seine Arbeit stützte. Ein immer wiederkehrendes Motiv bei Moore sind etwa Mutter und Kind. Hier werden sie seinem Interesse an Madonnen-Darstellungen aus dem 15. und 16. Jahrhundert gegenübergestellt, zum Beispiel von Antonio Rossellino oder Antonio Solario. Auch Werke französischer Maler des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts wie Cézanne und Courbet, die Moore sehr schätzte, werden seinen eigenen Skizzen zur Seite gestellt.

Henry Moore: Three Piece Sculpture Vertebrae

Der erste Stock des Museums-Neubaus gehört dann ganz Moore. Dort werden einige seiner Großplastiken erstmals in einem Innenraum präsentiert. Die Skulpturen, die normalerweise in der Landschaft präsentiert werden, stehen hier vor weißen Wänden.

 

 

Da ist zum Beispiel die Monumentalplastik „Large Standing Figure Knife Edge“, die bereits 1978 schon einmal eine Weile am Rheinufer vor dem Bahnhof Rolandseck gezeigt wurde. Die dreiteilige Plastik „Three Piece Sculpture: Vertebrae“, drei riesige bronzene Wirbelknochen, wurde mit Spezialkränen gleich vor der großen Glasfront des Ausstellungsraums platziert und fügt sich perfekt in die Landschaft ein.

Im Obergeschoss des Museums schärft die Gegenüberstellung Moores mit dem Hauspatron Arp noch einmal den Blick für das, was das Werk der beiden Künstler ausmacht. Für beide war die Natur zentrale Bezugsgröße ihres Schaffens. „Nicht abbbilden. Bilden“, war ihrer beider künstlerisches Credo. Ein Blick in die Ateliers der Künstler eröffnet erstaunliche Ähnlichkeiten. Was sich in den Regalen der beiden Bildhauer stapelt, scheint fast austauschbar: Kleine Skulpturen oder Entwürfe mit organischen Formen. Die Künstler haben sich auch nachweislich gegenseitig in ihren Ateliers besucht.

Dennoch gibt es entscheidende Unterschiede. Arp löst sich vollständig von der Figürlichkeit und geht in die reine Abstraktion. Bei Moore hingegen ist die menschliche Figur immer noch erkennbar. Seine Arbeitsweise, aus Knochen, Muscheln oder anderen Fundstücken seine Plastiken zu entwickeln, ist in einem eigenen Bereich der Ausstellung dargestellt. Wer Moore kennenlernen will, ist hier richtig. Und wer ihn schon kennt, wird mit Sicherheit neue Einsichten gewinnen.

www.arpmuseum.org