Nach 200 Jahren wieder ein Paar

Kölner Wallraf-Richartz-Museum vereint hochkarätige Gemälde aus zwei Sammlungen

Die Sammlungen des Schweizer Kunstliebhabers Emil Bührle und des Wallraf-Richartz-Museum haben viel gemeinsam. Jetzt sind die beiden Konvolute erstmals nebeneinander zu sehen. Dabei kommt es zur ein oder anderen Wiedervereinigung.

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Claude Monet, Mohnblumenfelder bei Vétheuil

Sie waren Freunde und Konkurrenten: Nicht selten interessierten sich der damalige Direktor des Kölner Wallraf-Richartz-Museums, Leopold Reidemeister, und der vermögende Kunstsammler Emil Bührle in den 50er Jahren auf dem Kunstmarkt für die gleichen Werke. Zugleich schätzten sich die beiden Männer. Bei Besuchen Bührles in Köln tauschte man sich regelmäßig aus. Die beiden Kunstkenner hatten die gleichen Vorstellungen vom Aufbau ihrer jeweiligen Sammlungen. Kein Wunder also, dass sich in ihren Beständen zahlreiche verwandte Werke finden. Diese treffen nun in der Ausstellung „Von Dürer bis Van Gogh. Sammlung Bührle trifft Wallraf“ erstmals zusammen.

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Vincent Van Gogh, Die Zugbrücke

Zu sehen sind 64 Meisterwerke vom Spätmittelalter bis zum Kubismus, davon 33 aus der Sammlung Bührle. Im Mittelpunkt beider Sammlungen steht der Impressionismus und Nachimpressionismus. Darüber hinaus ermöglichen beide Konvolute jedoch auch einen vergleichenden Blick in die Kunstgeschichte, indem sie ihre Bestände des Impressionismus flankieren mit Werken französischer Kunst des 19. Jahrhunderts, niederländischer Meister des 17. Jahrhunderts und des Spätmittelalters.

Der Zeitpunkt, die berühmten Werke aus der Schweiz nach Köln zu holen, war günstig. Denn die Züricher Sammlung ist seit vergangenem Jahr bis zur Fertigstellung ihres neuen Ausstellunggebäudes 2020 geschlossen. So konnten viele Werke zusammengeführt werden, die einst zusammengehörten.

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Alfred Sisley, Regatta in Hampton Court
Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud, Koeln, WRM 2929, Alfred Sisley, Brücke bei Hampton Court
Alfred Sisley, Brücke in Hampton Court

 

 

 

 

 

 

 

Da hängen verschiedene Ansichten der provenzalischen Sommerlandschaft mit ihrem flirrenden Licht Seite an Seite, so wie sie auch in Paul Cézannes Atelier nebeneinander gestanden haben könnten. Zwei bezaubernde Fluss-Szenen Alfred Sisleys, die am gleichen Tag gemalt wurden, hängen nun erstmals Seite an Seite: Während auf dem Gemälde aus den Museumsbeständen die Brücke von Hampton Court im Morgenlicht zu sehen ist, zeigt das Gemälde aus der Sammlung Bührle den unmittelbar angrenzenden Flussabschnitt im rötlichen Licht des Spätnachmittags.

Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud, Koeln, WRM 2533, Albert Cuyp, Fischerboote
Albert Cuyp, Fischerboote
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Albert Cuyp, Gewitter über Dordrecht

 

 

 

 

 

 

 

Ein besonderes Zusammentreffen ist jedoch das der beiden Gemälde des niederländischen Meisters Aelbert Cuyp. Er hatte die „Fischerboote im Mondschein“ um 1645 als Pendant zum „Gewitter über Dordrecht“ gemalt. Bei einer Auktion wurden die Bilder getrennt und können nun erstmals seit mehr als 200 Jahren wieder gemeinsam betrachtet werden.

Neben den Varianten eines Motivs aus dem Pinsel ein und desselben Künstlers bietet die Ausstellung eine zweite interessante Vergleichsebene. So lässt sich die Entwicklung von Sujets über die Jahrhunderte hinweg betrachten. Da hängt etwa Pablo Picassos kubistisches „Blumenstillleben mit Zitrone“ (1941) neben dem meisterhaft detailgetreuen „Stillleben mit Römer und Zitrone“ (1632) des Niederländers Willem Claesz. Hedas. Paul Gaughins Gemälde “Die Opfergabe” (1902), das eine stillende Mutter zeigt, wird flankiert von zwei spätmittelalterlichen Mariendarstellungen. Und Odilon Rodons Kreuzigungsszene in Pastell von 1895 tritt in Dialog mit der spätmittelalterlichen Darstellung des Kreuztodes Christi durch den namentlich nicht bekannten Meister des Marienlebens.

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Pablo Picasso, Blumenstillleben mit Zitronen

 

In den 50er Jahren hatte sich Reidemeister manchmal geärgert, dass Bührle über finanzielle Mittel verfügte, bei denen der damalige Museumsdirektor nicht mithalten konnte. Doch der Direktor der Stiftung Bührle, Lukas Gloor, ist sicher: Heute hätte sich der durch die Herstellung von Rüstungsgütern zu Wohlstand gekommene Bührle “unheimlich gefreut”, wenn er die Bilder der beiden Sammlungen nebeneinander gesehen hätte.

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