Jubiläum mit vielen Fragen

Das Museum Ludwig in Köln feiert mit einer Sonderausstellung 40. Geburtstag

350 Werke zeitgenössischer Kunst bilden den Grundstock der Sammlung des Museum Ludwig. 40 Jahre ist es nun her, dass das Sammlerehepaar Ludwig der Stadt Köln diese wertvollen Werke schenkte. Das feiert das Museum mit einer Sonderschau, die auch kritische Fragen zulässt.

Guerrilla Girls, ML/G 2015/005/24, Museum Ludwig, Köln
Guerrilla Girls, ML/G 2015/005/24

Welche Kunst wird gezeigt?

Welche Kunst wurde und wird hier eigentlich gezeigt? Diese Frage stellen zum Beispiel die Künstlerinnengruppe Guerrilla Girls. „Müssen Frauen eigentlich nackt sein, um ins Museum zu kommen?“ Auf einem Plakat des Künstlerinnenkollektivs sieht man die gemalte Rückenansicht einer nackten Schönen zu sehen, die auf dem Kopf eine Gorillamaske trägt. Dieses Plakat der feministischen Gruppe gehört zur Sammlung des Museum Ludwig. Doch sind Künstlerinnen seit seiner Entstehung 1989 in den Ausstellungsräumen zahlreicher vertreten? Zum 40jährigen Jubiläum gehen die Guerrilla Girls der Sache auf den Grund. Und sie sind nicht die einzigen Künstler, die unbequeme Fragen stellen. Doch die Museumsleute haben es so gewollt. Denn die Ausstellung „Wir nennen es Ludwig“ soll mehr sein, als eine reine Jubelveranstaltung.

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Futuristisches Köln von Bodys Isek Kingelez

„Die Idee der Ausstellung ist, die Institution zu hinterfragen und einen distanzierten Blick auf das Museum zu werfen“, erklärt Museumsdirektor Yilmaz Dziewior. Gezeigt werden Werke von 25 internationalen Künstlern und Künstlerkollektiven, die einen Bezug zu dem Museum haben, darunter bekannte Namen wie Gerhard Richter, Rosemarie Trockel, Ai Weiwei oder Claes Oldenburg. Teilweise werden ältere Arbeiten gezeigt, viele Werke entstanden aber eigens für die Jubiläumsausstellung. Eine Best-Of-Show mit Promis der Kunst-Szene ist die Schau mitnichten. Man habe bewusst Künstler eingeladen, die als institutionskritisch bekannt seien, sagt Dziewior. „Wir wussten, dass sie auf die Schwachstellen hinweisen würden.“

Die Guerrilla Girls – ein Künstlerinnenkollektiv mit wechselnden Mitgliedern, die anonym bleiben – finden die Defizite mit Leichtigkeit. So weltoffen und pluralistisch wie es gerne sein würde, sei das Museum nicht, machen sie in ihrer Videoarbeit „Girlsplaining“ deutlich. Nicht nur Frauen sind unterrepräsentiert, sondern auch Künstler anderer Hautfarbe oder Herkunft. 14 Prozent der Kölner haben türkische Wurzeln, aber das Museum zeige nur einen türkischen Künstler, heißt es dort zum Beispiel.

Kritische Fragen zu Ludwig

Andere Künstler wie Marcel Odenbach oder Hans Haacke beschäftigen sich mit dem Sammlerehepaar Ludwig. Haacke ging bereits in den 80er Jahren der Unternehmensgeschichte des Museumsinitiators Ludwig auf den Grund, der sein Vermögen als Schokoladenfabrikant machte. Die 14-teilige Arbeit „Der Pralinenmeister“ liefert Informationen zu Steuervergünstigungen und zum Einfluss der Ludwig Stiftung auf Politik und Gesellschaft. Odenbach lässt Ludwig in seiner Videoarbeit „Ein Bild vom Bild machen“ zu Wort kommen und Stellung zu seinem Selbstverständnis als Kunstsammler beziehen.

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Ai Weiwei, Forever

Im Fokus anderer Künstler steht die Sammlung Ludwig. So stellt Ai Weiwei mit seiner Skulptur „Forever“ eine Verbindung zum „Roue de bicyclette“ (Fahrradrad) von Marcel Duchamp her. Ai Weiweis Skulptur besteht aus 42 aufeinander montierten Fahrrädern, die einen meterhohen Kreis bilden. Die Arbeit Duchamps, die im Dada-Raum der permanenten Sammlung des Museums steht, ist per Live-Schaltung auf einem Bildschirm zugegen.

Weltoffen und kölsch

Zwei Werke des Kölner Malers Michael Buthe aus der Museumssammlung rückt Ei Arakawa in den Fokus. Er lässt zwei LED-Wände die farbenfrohen Arbeiten des durch seine vielen Afrika-Aufenthalte inspirierten Künstlers reflektieren. Filmmaterial über Buthe und ein eigens produziertes Lied mit einem afrikanischen Musiker lassen ein leines Universum des porträtierten Künstlers entstehen.

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Georges Adéagbo

Bewusst zeigt die Jubiläumsausstellung sich weltoffen und holte Künstler aus verschiedenen Kontinenten an den Rhein. Damit wolle man der Globalisierung Rechnung tragen, die zu Zeiten der Entstehung der Sammlung Ludwig noch kein Thema war, sagt Dziewior. So rollt der aus Westafrika stammende Georges Adéagbo den Besuchern gleich zu Beginn der Ausstellung einen roten Teppich aus. Seine aus Kultobjekten, Alltagsgegenständen und Dokumenten bestehenden Installationen nehmen stets Bezug auf den Ausstellungsort. In diesem Fall steht Köln im Mittelpunkt, etwa in Form eines Plattencovers der Kölsch-Band Bläck Fööss oder eines von Jochen Schimmang herausgegebenen Köln-Lesebuchs.

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Ein Kölner Haus von Gerhard Richter

Die Kölner Seele findet in der Ausstellung ohnehin reichlich Nahrung. Vor allem der Raum mit Werken des seit Jahrzehnten am Rhein lebenden Gerhard Richter bietet poetische Szenerien zwischen den Mauern der Domstadt. Da ist das Herz Kölns, der Dom, allerdings als Ausschnitt einer „Domecke“. Die Geschichte der Stadt wird lebendig in der Luftaufnahme „14. Feb. 45“, die das zerstörte Köln hinter Glas zeigt. Bilder eines besetzten Hauses oder eine Demonstration spiegeln die politischen Auseinandersetzungen in den Straßen der Großstadt.

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