Stylingtipps von den alten Römern

Landesmuseum Bonn zeigt Schmuck und Schönheitspflege im Wandel der Zeiten

Sind die Menschen heute mehr auf Styling und Schönheitspflege fixiert als in früheren Jahrhunderten? Wahrscheinlich können es sich inzwischen mehr Menschen leisten. Aber schmücken wollte sich der Mensch schon immer. Das beweist die Ausstellung „Eva’s Beauty Case. Schmuck und Styling im Spiegel der Zeiten im LVR-Landesmuseum Bonn.

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Heutzutage wäre sie wohl Top-Model und würde die Titelblätter von Illustrierten schmücken. Zur Zeit der Gotik landete Uta Markgräfin von Meißen als Skulptur im Naumburger Dom, wo sie zum Schönheitsidol wurde. „Sie war die Greta Garbo des Mittelalters“, sagt Gabriele Uelsberg, Direktorin des LVR-Landesmuseums Bonn. Die neue Ausstellung zeigt, dass Menschen sich immer schon gerne in Szene setzten. Dazu verwandelte sich das Museum ist eine Art Schönheitstempel.

Was gibt’s zu sehen?

Vom Juwelier über den Frisör, die Parfümerie bis zum Kosmetiksalon ist alles vorhanden. Erste Station auf dem Beauty-Parcours ist der Juwelier: In den Vitrinen liegen Prachtstücke aus fein ziseliertem Gold und Edelsteinen. Das Landesmuseum, das über eine der größten Sammlungen römischen und frühmittelalterlichen Schmucks nördlich der Alpen verfügt, hat seine schönsten Stücke aus dem Depot geholt. Vor allem die römischen Kreationen wirken gerade zu aktuell. Eine Kette aus dicken, schwarzen Gagatperlen mit Kerbschnittdekor zum Beispiel würde aktuell glatt als „Statement“-Schmuckstück durchgehen.

In Sachen Schmuck hatten aber auch die Kelten schon etwas zu bieten. Zu sehen ist etwa eines der bedeutendsten Schmuckensembles aus dieser Zeit: Drei Armreife und ein Halsreif aus Gold mit feinen Verzierungen. Dass das Mittelalter gar nicht so düster war, zeigen Fibeln mit leuchtend roten Granateinlagen und Ketten aus bunten Glasperlen.

12Doch mit Schmuck alleine ist es nicht getan. Zu allen Zeiten sorgten sich die Menschen auch um ihre Haartracht. Bürsten und Kämme aus allen Epochen seit der Steinzeit zeugen davon. Zu Zeiten der ägyptischen Pharaonen gab es sogar bereits eine regelrechte Kammindustrie. Diese waren allerdings aus Horn und brachen leicht. Deshalb wurden sie gerne auch mit passender Hülle geliefert. Unzählige Pinzetten-Funde sprechen dafür, dass auch vor 2000 Jahren die Menschen bereits lästigen Körperhaaren zu Leibe rückten. Interessant: Die als wild geltenden Kelten trugen zwar langes Haupthaar, rasierten sich aber penibel alle Körperhaare weg.

5Bei den Römern sorgten Kaiser mit und ohne Bart für einen Wechsel der männlichen Haartracht und der französische König Ludwig XIV. führte angesichts mangelnden eigenen Haupthaares die langlockige Alongeperücke ein. Seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts bestimmen zunehmend Ikonen der Popkultur die Haarmode. Elvis Presleys Haartolle etwa war in den 50er Jahren bei jungen Männern auf der ganzen Welt angesagt. Eine Locke des Stars sowie der Frisörstuhl aus der Friedberger Kaserne, auf dem Presley sich die Haare schneiden ließ, stehen für die moderne Haarpflege.

14Neben einem gepflegten Äußeren wollten auch die alten Römer oder Ägypter schon gut riechen. Damals wurden die Duftstoffe noch in Öl oder Salben gelöst. Einige Überreste in Glasflaschen zeugen davon. Schnuppern kann man daran nicht mehr. Stattdessen gibt es aber eine Duftbar mit von Alters her verwendeten Rohstoffen für die Parfümherstellung wie Rose, Lavendel oder Orange. In der Kosmetikabteilung schließlich erfährt der Besucher mehr über die Entwicklung von Rötungsmitteln vom Hämatit oder Rötelstein bis zur Erfindung des Lippenstiftes im 19. Jahrhundert. Bei den alten Ägyptern hatte Kosmetik zunächst auch medizinische Gründe: Mit Bleiweiß schützten sie sich gegen die Sonneneinstrahlung. Kajal aus Asche und Fetten wirkte antiseptisch.

15Kinder, die nach so vielen Styling-Informationen Lust haben, selbst einmal zu experimentieren, können in Modeaccessoires vergangener Zeiten stöbern und sich damit fotografieren lassen. Auch Perücken verschiedener Epochen liegen bereit. Und wer noch schöner werden möchte, kann sich an einem Computerterminal virtuell die Haut glätten. Allerdings hat sich eines seit der Steinzeit nicht geändert: Wirklich wirksame Cremes gegen Falten gibt es nach wie vor nicht. Entscheidender Unterschied: Während die Mittel früher oft recht unangenehme Bestandteile wie Tierkot hatten, riechen sie heute wenigstens gut.

www.landesmuseum-bonn.lvr.de

 

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