Das Glück ist ein Baumstamm

Lohnenswerte Wiederentdeckung der Bildhauerin Barbara Hepworth im Arp Museum

Der britische Bildhauer Henry Moore ist hierzulande ziemlich bekannt. Schließlich stellte sich der frühere Bundeskanzler Schmidt seine große Bronzeskulptur Large Two Forms vor das Bonner Bundeskanzleramt. Was viele nicht wissen: Moore hatte eine Kollegin und Freundin namens Barbara Hepworth, die eigentlich als Pionierin der modernen Bildhauerei gilt. Nur ist sie viel weniger bekannt. Eine Retrospektive des Arp Museum Rolandseck entdeckt die Künstlerin nun wieder.

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Curved Form (Delphi) 1955

 

Hepworth (1903-1975) lebte seit Ende der 30er Jahre ziemlich „ab vom Schuss“ im englischen Cornwall. Das mag ein Grund dafür sein, dass ihr in den vergangenen Jahrzehnten vielfach das Image einer Künstlerin von eher regionalem Interesse anhaftete. Ihre Werke, die häufig Formen aus der Natur aufgreifen, werden vielfach mit der dortigen Landschaft assoziiert. Die Tate Britain in London hielt es offenbar für an der Zeit, die Bedeutung Hepworths neu zu definieren und zeigte im vergangenen Jahr eine Retrospektive, (die nun in abgewandelter Form im Arp Museum zu sehen ist). Aber auch diese Ausstellung löste in Großbritannien erneut eine Diskussion über die Frage ihres internationalen Ranges aus. Fest steht, dass Hepworth oftmals im Schatten männlicher Bildhauer stand, vor allem in Moores. Dabei stellte sie schon in den 50er Jahren international aus, etwa bei der Biennale in Venedig oder der Documenta in Kassel. 1964 wurde ihre über sechs Meter hohe Bronze-Skulptur „Single Form“ in Erinnerung an den bei einem Flugzeugabsturz getöteten UN-Generalsekretär Dag Hammarskjöld vor dem UNO-Gebäude in New York aufgestellt.

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Squares with Two Circles (1963)

Was gibt’s zu sehen?

Unter dem Titel „Barbara Hepworth. Sculpture for a Modern World“ sind im Arp Museum bis zum 28. August rund 100 Arbeiten der Bildhauerin sowie 30 Werke von Zeitgenossen zu sehen. Typisch für Hepworth sind ihre abstrakt-organischen Skulpturen. Sie entwickelte ihre ganz eigene Formensprache. Sie arbeitete viel mit Holz, schuf kleinere Stein-Skulpuren. Bronze war lange Zeit zu teuer. Und selbst ihre Holzskulpturen fielen lange Jahre relativ klein aus, weil auch gutes Holz in der von ihr gewünschten Größe nicht so einfach zu bekommen war. Den Durchbruch brachte Hepworth eine Holzlieferung im Herbst 1954, die ihr ein Freund aus Nigeria schickte. Eigentlich war nur eine „Probe“ angekündigt. „Plötzlich bekam ich eine Nachricht vom Hafen, dass 17 Tonnen Holz für mich eingetroffen seien“, schreibt die Bildhauerin in ihren Erinnerungen. „Ich war nie glücklicher.“ Nun hatte sie endlich das Material, die großformatigen Werke zu schaffen, die ihr dann den internationalen Durchbruch brachten.

Ein Baumstamm bringt den Durchbruch

Insgesamt reichte der riesige Baumstamm aus Nigeria für 13 Skulpturen. Vier von ihnen fanden nun ihren Weg ins Arp Museum Rolandseck. Die aus der Guarea-Holz-Lieferung entstandenen Skulpturen zeigen sie auf der Höhe ihres Schaffens: Durch geschwungene, schneckenhausförmige Einschnitte schuf sie Einblicke ins Innere der Holzblöcke. Außen sind die Holzquader abgerundet und glatt poliert. Die Maserung des kastanienfarbenen Holzes kommt so voll zur Geltung. Das Innere der Skulpturen ist meist farblich abgesetzt, häufig weiß. Vielfach sind farbige Schnüre wie die Saiten einer Gitarre über die Einschnitte der Skulpturen gespannt.

Eröffnung Barbara Hepworth

Zuhause bei Arp und Meier

Auf einer Reise nach Frankreich 1933 hatte Hepworth Arbeiten Hans Arps gesehen. Ihm schrieb sie großen Einfluss auf ihr Werk zu. Ähnlich sind bei beiden Künstlern die Inspiration durch Formen der Natur sowie Aussparungen im Material der Skulpturen, die Durchblicke schaffen. Die Beziehung ihrer Skulpturen zu der sie umgebenden Natur oder Architektur spielte für Hepworth eine große Rolle. So schuf sie Bilder, in denen sie Fotos ihrer Werke in die aus ihrer Sicht passende Umgebung collagierte. Oftmals platzierte sie ihre Werke so in eine weiße Bauhaus-Architektur.

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Sphere with Inner Form (1963)

Neben ihrer Nähe zu Arp ist das der zweite Grund, aus dem Hepworths Arbeiten wie gemacht für den lichten Meier-Bau des Arp Museums erscheinen. Durch die großen Fenster bieten sich fantastische Durchblicke durch die Öffnungen der Skulpturen in die Umgebung. So schimmert das Rheintal durch die kreisförmigen Aussparungen der meterhohen Bronze-Skulptur „Squares with Two Circles“ (1963). Die kugelförmige Bronze-Skulptur „Sphere with Inner Form“ (1963) wurde perfekt in einem Fenster-Vorsprung mit Blick auf den Museumsgarten platziert. Die für Hepworth prägende Landschaft Cornwalls ist daneben auch präsent, durch einen Film über die Künstlerin und ihr Werk.

http://www.arpmuseum.de

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Parkomanie

Die Gartenkunst des Fürsten Pückler in der Bundeskunsthalle

Beim Namen Fürst Pückler denken Viele erst einmal an ein Schoko-Erdbeer-Vanille-Eis. Aber die Eiscreme wurde gar nicht von dem Fürsten erfunden. Dafür hatte er gar keine Zeit, denn er war Gartenkünstler und schuf mit ungeheurem Aufwand drei große Parks, die stilbildend für die Landschaftsgestaltung im 19. Jahrhundert und darüber hinaus waren.

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Hermann Fürst von Pückler-Muskau (1785–1871) war verrückt danach, Landschaft zu gestalten. So steckten er und seine Frau Lucie, die seine Leidenschaft teilte, ihr gesamtes Vermögen in die Anlage eines Parks in ihrem Anwesen in Muskau. Als sie pleite waren, schmiedeten sie einen sehr unkonventionellen Plan, um den Park zu retten: Sie ließen sich scheiden und Pückler reiste nach England, um dort eine reiche Braut zu finden. Die sollte freilich nur der Geldbeschaffung dienen, denn Pückler und Lucie blieben weiterhin eng verbunden. Aber der Reihe nach…

Das gibt’s zu sehen

Mit der Ausstellung „Parkomanie. Die Gartenlandschaften des Fürsten Pückler“ unternimmt die Bundeskunsthalle das Experiment, Landschaftskunst ins Museum zu holen. Das gelingt vor allem durch den Einsatz moderner 3-D-Technik und mit Hilfe des in Pücklersch’er Manier angelegten Dachgartens, der das natürliche Anschauungsmaterial liefert.

20160421_104656[1]Rund 250 Objekte von über 30 öffentlichen und privaten Leihgebern sollen die Idee und die Leidenschaft dokumentieren, die den Schaffensdrang Pücklers antrieben. Pückler war nämlich der Auffassung, dass die Schönheit der Natur auch die Menschen vervollkommnet. Hinter seinem Schaffen stand also durchaus ein pädagogisches Ideal.

Der Besucher wird in der Ausstellung zunächst mit großflächigen Naturaufnahmen aus den Pücklersch’schen Parks empfangen. Wenig weiter stößt man auf den schweren schmiedeeisernen Flügel des Eingangstors zum Muskauer Park: Willkommen in der Welt des Fürsten Pückler.

Die Ausstellung zeigt Pücklers drei große Park-Projekte Muskau, Babelsberg und Branitz in chronologischer Reihenfolge. Zu jedem Park sind auf einem großen Bildschirm bewegte Gartenpläne zu sehen. Mit Drohnen aufgenommene Filme zeigen den jeweiligen Park aus der Vogelperspektive. Zu jedem Park gibt es außerdem einen Film. Auch die unterschiedlichen Jahreszeiten werden durch 3-D-Aufnahmen sichtbar. In Ganztagesaufnahmen lässt sich beobachten, wie Pückler das Spiel zwischen Licht und Schatten bewusst in seine Planungen integrierte.

Den aktuellen Aufnahmen stehen Originalpläne der Gärten, historische Fotografien sowie Exponate aus dem bewegten Leben des Fürsten gegenüber. Ein besonderer Clou: Die Parks werden mit moderner Technik auch ein Stück weit so erlebbar wie sie zu Pücklers Zeiten gesehen wurden. Acht kolorierte Lithografien von A.W.F. Schirmer mit Ansichten von Muskau wurden dazu in 3-D-Dias umgewandelt. Sie können durch kleine Diabetrachter angeschaut werden. Originale Aquarelle der Babelsberger Anlage wurden ebenfalls so konvertiert, dass sie mit 3-D-Brillen betrachtet räumlich wirken.

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Immer wieder wird der ungeheure Aufwand deutlich, mit dem Pückler seine eigene „Garten-Grammatik“ umsetzte. Mit Hilfe einer Baumpflanz-Maschine wurden große Bäume samt riesiger Wurzelballen aus den Wäldern in die Parks geschafft. Ein nachgebautes Exemplar dieser Maschine samt Baum ist auf dem Museumsplatz zu sehen. Kein Wunder also, dass der Fürst irgendwann finanziell ruiniert war. Zwar misslang der Plan, eine reiche englische Braut zur Rettung des Anwesens zu finden. Aber aus seinen Briefen aus England an Lucie machte Pückler er ein Buch, das zum Bestseller wurde. Der Park war gerettet.

20160513_101916[1]Dennoch verkaufte Pückler das Muskauer Anwesen 1845, da ihn die finanzielle Last immer stärker drückte. 1843 erhielt er vom späteren Kaiser Wilhelm den Auftrag, dessen Besitz in Babelsberg zu gestalten. Mittels moderner Dampfmaschinen gelang es Pückler, ein Bewässerungssystem anzulegen. Aus dem trockenen Stück Land wurde ein blühender Park mit Seen, Springbrunnen und Wasserfällen. Das selbe Kunststück gelang Pückler dann noch einmal. Mit 60 Jahren zog er sich auf seinen lange vernachlässigten Besitz in Branitz zurück, den er in eine Parklandschaft verwandelte.

Auf dem Dachgarten der Bundeskunsthalle wird die Pückler’sche „Garten-Grammatik“ mit Hilfe von insgesamt 42.000 Blumen und original Bäumen aus dem Muskauer Park lebendig. Zudem wurde ein Wasserbassin mit Insel angelegt.

www.bundeskunsthalle.de

 

Poppige Fotogramme aus der DDR

Farbfoto-Pionier Schröter im LVR-Landesmuseum Bonn

In der DDR war doch nicht alles grau. Im LVR-Landesmuseum Bonn lernte ich, dass DDR-Fotograf Wolfgang G. Schröter (1928-2012) einer der Pioniere der Farbfotografie war. Die Deutsche Fotothek in Dresden verwaltet seinen Nachlass und hat nun für die Bonner Ausstellung „Wolfgang G. Schröter – Das große Color-Praktikum“ lange im Archiv versunkene Prints und Negative hervorgeholt.

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Was gibt’s zu sehen?

Insgesamt präsentiert die Ausstellung 70 Prints und Negative des DDR-Fotografen und Pioniers der Farbfotografie. Viele der Arbeiten sind erstmals seit Jahrzehnten wieder zu sehen.

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Ungewöhnlich sind vor allem 13 lebensgroßen, farbenfrohen Fotogramme von Körpern. Die Arbeiten gelten als die weltweit ersten kameralosen Pseudosolarisationen in Farbe. Dafür legte Schröter seine Modelle direkt auf große Filmbahnen, die er dann belichtete. Anschließend arrangierte er die Bilder übereinander und fotografierte erneut. Das Ergebnis ist ein buntes Gebilde aus Körpern. Die Fotografien entstanden für den Stand des DDR-Filmherstellers Orwo auf der Kölner Messe Photokina. Im Landesmuseum werden die Arbeiten wie auf der Messe hinterleuchtet präsentiert.

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Schröter zählte zur ersten Nachkriegsgeneration professioneller Farbfotografen in Deutschland. Seine avantgardistischen Arbeiten haben keinen dokumentarischen Charakter. Vielmehr experimentierte er und entwickelte teilweise ungewöhnliche Verfahren.

Seine Ausbildung bekam Schröter 1949 als einer der ersten Nachkriegs-Studenten am Institut für Farbenfotografie der Akademie für Grafik und Buchkunst in Leipzig. In den 50er Jahren etablierte er sich als freier Bildjournalist und Farbfotograf. Besondere Arbeitsmöglichkeiten hatte er durch seine Aufträge für international operierende fotooptische Unternehmen der DDR wie Agfa/Orwo und Carl Zeiss in Jena. Seine Farbaufnahmen waren für Werbedruckschriften, Zeitschriften und auf Messeständen gefragt, um die DDR zu repräsentieren. Denn sie entsprachen der Ästhetik der westlichen Industriefotografie.

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Das Landesmuseum will übrigens weiterhin jedes Jahr eine Foto-Ausstellung mit verborgenen Beständen aus  Archiven zeigen. Die Schröter-Schau ist die zweite Foto-Ausstellung dieser Serie in Kooperation mit der Fotothek und der Stiftung F.C. Gundlach.

Große und bunte Wände

Fernand Léger im Museum Ludwig in Köln

Das Museum Ludwig in Köln zeigt den bekannten französischen Maler Fernand Léger von einer bislang weniger beachteten Seite: Im Mittelpunkt steht seine Auseinandersetzung mit der Architektur und die Gestaltung von Raum durch Wandmalereien.

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Fernand Léger (1881-1955) musste sich mächtig ins Zeug legen, damit er seine Vorstellungen von Raumgestaltung umsetzen konnte. Zwei Jahre lang suchte der Maler nach der passenden Wand für seine Bildidee zu „Les Plongeurs“ (Die Taucher). Schließlich ermöglichte ihm der US-Architekt Wallace K. Harrison, das Wandgemälde 1942 in seinem Haus auf Long Island umzusetzen. Heute gehört das Werk „Les Plongeurs“ zur Sammlung des Museum Ludwig in Köln und ist Herzstück einer Ausstellung, die sich mit Légers Auseinandersetzung mit dem Raum beschäftigt. Dieses für Léger sehr zentrale Thema werde damit erstmals in einer Ausstellung beleuchtet und zeige eine neue Facette des Künstlers, sagt Museumsdirektor Yilmaz Dziewior.
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Was gibt’s zu sehen?

Unter dem Titel „Fernand Léger. Malerei im Raum“ sind in Köln insgesamt 170 ab 1920 entstandene Werke zu sehen, die die Auseinandersetzung Légers mit der Architektur dokumentieren. Darunter sind neben Wandgemälden auch ausgewählte frühe Arbeiten in den Bereichen des experimentellen Films, Grafikdesigns, Wand- und Bodenteppich-Entwürfe sowie Kostüm- und Bühnenbildentwürfe. Leider durften viele Bilder nicht fotografiert werden.

Immerhin: „Les Plongeurs“ war für Fotografen freigegeben. Das Bild gab den Anstoß für diese Ausstellung zum 40. Jubiläumsjahr des Museums Ludwig. Das Sammlerehepaar Ludwig hatte es für den 1986 eröffneten Neubau des Museums erworben. Léger hatte das Bild in dem runden Wohnraum von Harrisons Haus gemalt. Dass er damals verzweifelt nach einer Wand suchte, auf die er malen durfte, hing wohl auch damit zusammen, dass er keine bezahlten Aufträge ausführen durfte. Er war aus dem von Nazi-Deutschland besetzten Frankreich geflohen, wo er als entarteter Künstler galt, und befand sich in den USA im Exil. Dort durfte er zwar in Harvard lehren, aber keine Bilder verkaufen.

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Die Ausstellung stellt „Les Plongeurs“ eine Reihe weiterer großformatiger Wandmalereien Légers zur Seite, die teilweise nur selten gezeigt oder kaum ausgeliehen werden. Da ist zum Beispiel das riesige Wandbild, das Léger für die Mailänder Triennale 1950/51 schuf. Im Musée National Fernand Léger im südfranzösischen Biot liegt das monumentale Werk normalerweise im Archiv, weil es nicht an die dortigen Wände passt. Im Museum Ludwig geht das farbige Werk mit seinen biomorphen Formen einen perfekten Dialog mit „Les Plongeurs“ ein. Die Taucher sind das einzige in Schwarz-Weiß gehaltene Wandgemälde Légers. Er hatte auf Farbe verzichtet, um den relativ kleinen Wohnraum in Harrisons Haus nicht zu erdrücken.

 

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Ein weiteres Werk, das für die Kölner Schau aus einem Archiv herausgeholt wurde, ist ein Kamin-Wandgemälde aus dem Apartment Nelson A. Rockefellers. Es war im Archiv in Vergessenheit geraten und wird nun zum ersten Mal gezeigt. Empfangen wird der Besucher gleich zu Beginn der Schau mit dem Wandbild „Le Transport de Forces“ (Kraftübertragung), das Léger für die Pariser Weltausstellung 1937 anfertigte. Erst vor drei Monaten stand fest, dass das empfindliche Bild aus Paris nach Köln kommen konnte. Denn für die Finanzierung des aufwendigen Transports musste ein Sponsor gefunden werden.

Die Ausstellung beginnt jedoch mit Werken Légers aus den 20er Jahren, die zeigen, wie er sich an das Thema Architektur und Raum herantastete. Als gelernter Architekturzeichner hatte der Künstler von Anfang an einen Blick für räumliche Verhältnisse. Und er strebte danach, die Kunst mit der Architektur zu verbinden. „Er hatte die für die Zeit typische Einstellung, dass Kunst das Leben der Menschen verbessern kann“, sagt Baudin. Zunächst entwarf er Kulissen, etwa für das Ballet suédois und für den Stummfilm „L Inhumaine“. Dann drehte er 1924 gemeinsam mit Man Ray und Dudley Murphy seinen ersten eigenen Film „Ballet méquanique“. Die Filme sind gleich zu Beginn der Schau auf großen Leinwänden zu sehen.

Die Ausstellung lässt nachverfolgen, wie Léger seine Kunst nach und nach immer weiter in den Raum ausdehnte. Wandgemälden ohne konkreten Bestimmungsort folgen Entwürfe für die Pavillons großer Ausstellungen wie die Kunstgewerbeschau in Paris 1925 oder die Weltausstellung 1937. Als Künstler arbeitete er mit zahlreichen bekannten Architekten zusammen, die seine Werke zum Teil in ihre Bauten integrierten, so etwa Le Corbusier, Carlos Raul Villanueva oder Charlotte Perriand. Sogar für zwei Kirchen entwarf Léger Mosaike und Fenster, obwohl er selbst Atheist ist. Doch es sei ihm in erster Linie darum gegangen, den öffentlichen Raum zu verschönern, sagt Baudin. Und das sei eine Kirche ja schließlich.