Wie ein verrückter Traum

Escher-Ausstellung im Max Ernst Museum Brühl

Der niederländische Grafiker Maurits Cornelis Escher (1889-1972) galt in den 70er und 80er Jahren als Popstar der bildenden Kunst. Das Max Ernst Museum in Brühl wirft nun einen frischen Blick auf sein Werk und überträgt seine Techniken in die virtuelle Realtität des Computerzeitalters.

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Relativität (1953)

Was gibt’s zu sehen?

Es sind Bilder wie aus einem verrückten Traum: Da laufen Menschen die Treppen hoch und runter. Aber sie werden nie oben noch unten ankommen, weil oben zugleich unten ist und umgekehrt. Dort krabbeln Ameisen unendlich auf einem Möbiusstreifen und ein Wasserlauf strömt entgegen der Schwerkraft hinauf. Diese Bilder machten Maurits Cornelis Escher in den psychedelisch angehauchten 70er Jahren bekannt. Seine Grafiken wurden als Plakate und Postkarten verkauft und erschienen auf Plattencovern. Mit einer Retrospektive hebt das Max Ernst Museum Brühl ab Sonntag den etwas aus der Mode geratenen Künstler so zu sagen in eine neue Dimension.

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Möbiusstreifen II (1963)

 

Verwirrende Perspektiven

Bis zum 22. Mai zeigt die Ausstellung „M.C. Escher“ 110 Holzschnitte, Lithographien und Zeichnungen. Lange war Eschers Werk in Deutschland nicht mehr so umfassend zu sehen. Zuletzt zeigte das Osthaus Museum in Hagen 2009 Werke des Grafikers. Davor war er zuletzt 1969 in Bonn zu sehen. Nun befreit das Max Ernst Museum die Werke Eschers von dem Staub der 70er und 80er Jahre und demonstriert, wie aktuell seine optischen Täuschungen heute noch sind.

In einem Gaming-Bereich können die Besucher nämlich virtuell in die Welt Eschers eintauchen und mit seinen grafischen Tricks experimentieren. Dort wird deutlich, dass moderne Computerspiele die Fortsetzung der Escher-Welten sind, in denen physikalische Gesetze aufgehoben sind. Neben bekannten Computerspielen wie Monument Valley oder The Bridge entwickelte das Museum zusammen mit dem Cologne Game Lab das neue Spiel „The Impossible Room“ in Anlehnung an Eschers Werk. Mittels einer Brille können die Besucher in einer virtuellen 360°-Umgebung in einen Raum eintauchen, in dem physikalische Gesetze aufgehoben werden.

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Zeichnen (1948)

 

Escher selbst machte sich offenbar nie Gedanken über die Aktualität seines Werkes. Die Vereinnahmung seiner Arbeiten, etwa durch psychedelische oder esoterische Kreise in den 70er Jahren sei ihm nicht recht gewesen, sagt Museumsdirektor Achim Sommer. „Er war ein bescheidener Mann, der ganz auf seine Kunst konzentriert war.“ Kunsthistoriker hatten oft Schwierigkeiten mit dem Grafiker, weil er keiner Kunstströmung zuzuordnen ist. Dennoch lassen sich in seinem Werk Parallelen zum Surrealismus erkennen.

Seine Anregungen holte sich Escher aus der Mathematik. Grundlage seiner Bilder waren etwa geometrische Figuren wie die unendlich fortlaufende Penrose-Treppe oder der Möbiusstreifen. Seine Motive waren häufig inspiriert von süditalienischen Landschaften, die er bereiste und von der Ornamentik der Alhambra im spanischen Granada, die er mehrfach besuchte.

 www.maxernstmuseum.lvr.de

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Zeitlos schön

Bauhaus-Design in der Bundeskunsthalle in Bonn

Diese Möbel, Lampen oder Teeservice könnte man gleich aus dem Museum mit in sein Wohnzimmer nehmen. Niemandem würde auffallen, dass sie fast 100 Jahre alt sind. Es ist kaum zu glauben, wie aktuell das Design der 1919 gegründeten Bauhaus-Schule bis ist. Die Ausstellung in der Bundeskunsthalle mit dem Titel „Bauhaus. Alles ist Design“ zeigt bis zum 14. August, wie Gropius, van der Rohe und Co die Ästhetik von Alltagsgegenständen revolutionierten.

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Die Wagenfeld-Lampe von 1923

Sie ist so etwas wie ein geheimer Code des guten Geschmacks: Die berühmte Wagenfeld-Lampe. Mehr als 90 Jahre nach ihrer Erfindung wird sie immer noch hergestellt und steht nach wie vor in deutschen Wohnzimmern. Die 1923 von Wilhelm Wagenfeld entworfene Leuchte wurde zu einem Markenzeichen des Bauhaus-Stils. Und warum der bis heute modern ist, zeigt die Ausstellung in der Bundeskunsthalle.

 

Was gibt’s zu sehen?

Natürlich sind die berühmten Designer-Stücke aus dem Bauhaus in Hülle und Fülle zu bewundern: Der Clubsessel von Marcel Breuer aus Stahlrohr – nicht wie später vielfach nachgeahmt mit schwarzem Leder, sondern mit Eisengarn bespannt. Da sind silberne Tee- oder Kaffeeservice in schlichter, moderner Form oder eben die berühmte Wagenfeld-Lampe alternativ mit Metall- oder Glasfuß und einem kuppelförmigen weißen Glasschirm. – Gegenstände von zeitloser Schönheit, die heute manchmal als Statussymbole in gut betuchten Haushalten zu finden sind.

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Der berühmte Klubsessel von Marcel Breuer

 

Design für alle

Dabei entspricht das gar nicht den ursprünglichen Ideen der Bauhaus-Väter. Das Ziel war eigentlich, gut gestaltete Alltagsgegenstände für alle zu schaffen. Der Gegenstand solle „seinem Zweck dienen, das heißt seine Funktionen praktisch erfüllen, haltbar, billig und schön sein“, formulierte Bauhaus-Gründer Walter Gropius den Anspruch. Die Ausstellung wolle mit vielen Klischees aufräumen, sagt Kuratorin Jolanthe Kugler. „Das Bauhaus ist mehr als Stahl, Glas und Flachdach.“ Vielmehr seien die Bauhaus-Künstler von dem Gedanken getrieben worden, dass Gestaltung das ganze Leben bestimme. „Sie waren der Meinung, dass Gestaltung die Welt verändern kann.“

Es ging also um weit mehr als um eine neue Ästhetik. Vielmehr war die in Weimar gegründete Schule ein soziales Experiment. Gropius versammelte unterschiedliche Künstler-Persönlichkeiten, die „in produktiver Uneinigkeit“ demokratisch zusammenarbeiten sollten. Am ersten Standort Weimar und später in Dessau und Berlin bis zur Auflösung der Schule unter den Nationalsozialisten 1933 waren berühmte Künstler und Architekten wie Wassily Kandinsky, Lyonel Feininger, Paul Klee, Laszlo Moholy-Nagy oder Ludwig Mies van der Rohe an der Schule tätig.

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Verbindung zwischen Kunst, Handwerk und Technik

Die zweite revolutionäre Idee der Bauhaus-Gründer war es, den Widerspruch zwischen Kunst und Technik zu überwinden. Deshalb arbeiteten am Bauhaus sowohl Künstler als auch Handwerker. Die Lehrpläne dokumentieren, dass die Schüler sowohl künstlerischen Unterricht erhielten als auch praktische Fähigkeiten wie Töpfern, Weben oder Metallverarbeitung lernten.

Ziel war es, Gegenstände zu entwerfen, die sich auch für die neuen Methoden der industriellen Produktion eigneten. Allerdings wurde Künstlern und Schülern zunächst die Freiheit gelassen, zu experimentieren und die Grenzen des Materials auszuprobieren. Deshalb hielt sich der wirtschaftliche Erfolg des Bauhauses auch in Grenzen. Erfolgreich waren weniger die heute bekannten Stahlrohrstühle, sondern vielmehr Holz-Spielzeug, das sich an den Ideen den Reformpädagogen Friedrich Fröbel orientierte: Etwa bunte Holzsteckspiele oder Schachspiele. Auch dezent gemusterte Tapetenentwürfe aus dem Bauhaus wurden industriell produziert.

Zwischen silberner Teedose und Hartz IV-Stuhl

Die Ausstellung zeichnet ein differenziertes Bild des Bauhauses, wie es selten wahrgenommen wird. Da sind zum einen die durchaus bürgerlichen Tendenzen: Silberne Mokka-Service und Teedosen sind kaum für die Massenproduktion geeignet. Andererseits beschäftigte sich Gropius‘ Nachfolger, der Architekt Hannes Meyer, mit der Idee der Gestaltung einer „Volkswohnung“ für Menschen mit minimalem Einkommen.

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Direktorenhaus Gropius 1926

 

 

Wie aktuell diese Ideen sind, zeigt die Schau, indem sie den Bauhaus-Stücken Werke heutiger Gestalter gegenüberstellt. Der „24 Euro Stuhl“ aus Van Bo Le-Mentzels „Hartz IV-Möbel“ transportiert den Bauhaus-Ansatz Meyers in die Gegenwart. Aber auch Beiträge von Designern wie Hella Jongerius und Opendesk, Lord Norman Foster, Enzo Mari, Marcel Wanders, Unfold und eine eigens für die Ausstellung entstandene Arbeit von Olaf Nicolai demonstrieren, wie sehr die Konzepte des Bauhauses heutige Gestalter immer noch beeinflussen.

Auch heute sähen sich Designer wieder mit ganz ähnlichen Fragen konfrontiert wie die Bauhaus-Künstler, sagt Kugler. Die Digitalisierung und neue Produktionsformen erforderten ein neues Denken. Für die Kuratorin steht deshalb fest: „Das Bauhaus ist kein abgeschlossenes Ding.“ Als das, was es sein wollte, nämlich eine Experimentierplattform, lebe es weiter.

www.bundeskunsthalle.de