Das Leben – ein Tanz

Pina Bausch  – Die Bundeskunsthalle würdigt die Choreografin mit einer Ausstellung

Kann man Tanz im Museum ausstellen? Ja – das geht! Wie, das zeigt die Bundeskunsthalle in Bonn mit einer Schau über die Tänzerin und Choreografin Pina Bausch (1940-2009). Sie gilt als Pionierin des modernen Tanztheaters und als eine der einflussreichsten Choreografinnen des 20. Jahrhunderts.

pina-bausch_danzon
Pina Bausch tanz ein Solo in „Danzón“

 

Die Frau bewegt sich so geschmeidig und elegant wie die überdimensional großen Schleierschwänze im Hintergrund. Pina Bausch empfängt die Besucher in der Bundeskunsthalle gleich zu Beginn selbst auf einer riesigen Leinwand, wo sie mit den Goldfischen gleichsam schwerelos wogt und schwebt.

Sie habe die Gefühle aus ihrer Umgebung mit in ihre Stücke aufgenommen, sagte Bausch einmal. Die Wirklichkeit auf die Bühne ihres Wuppertaler Tanztheaters zu holen, war ihre Mission. Wie es Bausch gelang, eine völlig neue Art des Tanzes zu schaffen, zeigt die Bundeskunsthalle bis zum 24. Juli in einer ungewöhnlichen Ausstellung.

Was gibt’s zu sehen?

„Wir zeigen, was auf der Bühne nicht zu sehen ist.“ So drückt es  Co-Kurator Salomon Bausch, Vorstand der Pina Bausch Foundation und Sohn der Tänzerin, aus. Bundeskunsthallen-Chef Rein Wolfs beschreibt es so: „Es ist eine performative Ausstellung, die Dokumentation und Action miteinander verschränkt.“

pina-bausch_baa025
Der nachgebaute Probenraum „Lichtburg“

Herzstück der Schau ist ein Nachbau des Probenraums „Lichtburg“. Dort steht ein Klavier, es gibt Kleiderstangen mit Kostümen, einen einfachen langen Holztisch, Ballettstangen und schwarze Stühle. „Extrem gut gelungen“, findet Salomon Bausch. Sogar der Stoff für die Wandbespannung sei originalgetreu. Hier findet echter Tanz statt: Performances, Tanzaufführungen und Proben für Bausch-Stücke, unter anderem auch vom Wuppertaler Tanztheater.

Aber auch die Besucher selbst können in dem nachgebauten Probenraum aktiv werden. Fast jeden Tag gibt es 30-minütige „Warm-ups“ mit aktiven oder ehemaligen Mitgliedern des Wuppertaler Tanz-Ensembles. Es sind kleine Trainings, die keine Vorkenntnisse verlangen, aber einen ersten Eindruck in die choreografischen Techniken Bauschs vermitteln. Getanzt wird zum Beispiel eine ihrer choreografischen Formen wie die berühmte „Nelken-Reihe“.

Die Workshops bieten eine physische Erfahrung dessen, was die um den Probenraum herum gruppierte Ausstellung in Dokumenten und Filmen darstellt. Pina Bausch selbst begegnet der Besucher gleich beim Eintritt in die Ausstellungshalle: In einer Videoinstallation sieht man sie als Tänzerin vor einer Projektion überlebensgroßer Schleierschwänze, die im Wasser auf und ab schweben. Bausch scheint durch ihre Bewegungen gleichsam mit dem Goldfischgetümmel hinter ihr zu verschmelzen.

0137
Pina Bausch als junge Tänzerin

Die Ausstellung beginnt dann chronologisch mit Bauschs Ausbildung an der Essener Folkwangschule und der Juilliard School in New York. Auch aus dieser Zeit gibt es zahlreiche Fotografien und Filmmaterial. Auf im Kreis angeordneten Fernsehbildschirmen kann der Besucher auch Ausschnitte früher Stücke wie etwa „Café Müller“ (1978) sehen. Die Kulisse dieses Stückes ist zugleich nachgebaut und lädt mit ihren schwarzen Stühlen und Café-Tischen zum Verweilen.

pina-bausch_0364
Aufführung des Bausch-Stückes „Vollmond“

Das Ensemble spielte bei Bauschs Arbeit immer eine besondere Rolle. „Es liegt mir am Herzen, dass man diese Menschen auf der Bühne wirklich kennenlernen kann“, sagte sie. „In den Stücken ist jeder ganz er selbst; niemand muss etwas spielen.“ Die Ausstellung widmet sich daher nicht nur der Person Pina Bausch, sondern auch den Compagnie-Mitgliedern, die mit zahlreichen Fotos vorgestellt werden. Im XXL-Format bekommt man die Tänzer auch in Aktion zu sehen. Aufnahmen von Aufführungen der vergangenen 40 Jahre von allen Bausch-Stücken werden auf sechs wandhohen Leinwänden gezeigt.

Nicht immer stießen Bauschs Stücke beim Publikum auf Begeisterung. Zum einen verwandte sie auf der Bühne häufig Naturmaterialien wie Steine oder Laub. Ihre Tänzer wateten auch schon einmal durch Wasser oder Torf. Zum anderen wurden ihre Stücke von manchen Zuschauern auch nicht als Tanz empfunden. Bausch strebte aber nie danach, auf der Bühne eine schöne Scheinwelt darzubieten. Sie wollte „zeigen, was wirklich ist“.

Es gehe ihr darum, für das Leben eine Sprache mit Bewegungen, Bildern und Worten zu finden, sagte Bausch 2007 in ihrer Rede anlässlich der Verleihung des renommierten Kyoto-Preises. Tanz habe für Bausch schon mit der Körpererfahrung und mit dem Atmen begonnen, sagt Co-Kuratorin und Tanzwissenschaftlerin Miriam Leysner. Ihr Wunsch: „Vielleicht haben die Besucher ja nach der Ausstellung ein viel breiteres Verständnis von Tanz.“

 www.bundeskunsthalle.de

Advertisements